Georg Wilhelm Friedrich Hegels "Phänomenologie des Geistes" von 1807 gilt als eines der schwierigsten, zugleich aber einflussreichsten Werke der Philosophiegeschichte. Hegel entwirft darin einen dramatischen "Bildungsweg" des Bewusstseins: Ausgehend von der einfachsten, unmittelbaren sinnlichen Gewissheit durchläuft das Bewusstsein in einer Kette dialektischer Erfahrungen - jede Stufe scheitert an inneren Widersprüchen und wird durch eine höhere, komplexere Stufe abgelöst - zunehmend komplexere Formen der Selbst- und Welterkenntnis: vom einfachen Selbstbewusstsein über den berühmten "Kampf um Anerkennung" zwischen Herr und Knecht, über Vernunft, Sittlichkeit und Kunstreligion bis hin zum "absoluten Wissen", in dem sich der Geist seiner selbst vollständig bewusst wird. Anders als Kants statisches Erkenntnismodell versteht Hegel Erkenntnis als historischen, sich fortlaufend entwickelnden Prozess. Das Werk begründete die dialektische Methode, die später auch Karl Marx aufgriff und materialistisch umdeutete, und übte tiefgreifenden Einfluss auf die gesamte nachfolgende Philosophie- und Geistesgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts aus.